
Anmerkung: „per Proxy“ / „by proxy“ [etwas wird indirekt oder durch eine andere Person ausgeführt]; Beispiel: Abstimmung durch einen Vertreter bzw. Handlung „über Dritte“
Dialog
Seppel:
Kasperl, Kasperl – sag mal: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Dummen, Banditen, Unbedarften und Intelligenten?
Kasperl (lacht trocken):
Du stellst Fragen… Das wissen ja nicht mal unsere Anführer… äh, unsere Häuptlinge… äh – unsere Eliten.
Seppel:
Die selbsternannten?
Kasperl:
Exakt die.
Seppel:
Und wie kommen wir dann zu einer Antwort?
Kasperl:
Ganz klassisch: Wir nehmen unseren Kopf und denken mal nach. Das gilt heute ja schon als oppositioneller Akt.
Fangen wir mit den Dummen an: Die schaden sich und anderen.
Seppel:
Das ist… nun ja… ziemlich dumm.
Kasperl:
Deshalb heißen sie ja so.
Seppel:
Gut. Und Banditen? Das sind doch einfach Räuber.
Kasperl:
Im Prinzip ja. Nur: Der moderne Bandit trägt keinen Revolver mehr – sondern ein Regelwerk.
Er nimmt dir etwas weg… und nennt es „System“.
Seppel:
Das klingt nicht besser.
Kasperl:
Ich geb dir ein Beispiel: Ich nehme dir deinen Geldbeutel weg.
Seppel (erschrocken):
Lass das! Dafür habe ich gearbeitet!
Kasperl:
Eben. Das ist ja das Entscheidende: Es ist deine in Geld geronnene Lebenszeit.
Und genau die wird im echten Leben regelmäßig „abgebucht“ – ohne, dass du schreien kannst.
Seppel:
Ich würde schreien! „Haltet den Dieb!“
Kasperl:
Wird schwierig. Der Dieb steht meistens hinter einem Pult – und erklärt dir, warum das notwendig ist.
Und am Ende heißt es: Saldo ausgeglichen.
Seppel:
Wie bitte?
Kasperl:
Ganz einfach: Deine leere Tasche entspricht meiner vollen Tasche.
Volkswirtschaftlich neutral. Moralisch… nun ja… vernachlässigbar.
Seppel:
Schweinerei!
Kasperl:
Nenn es, wie du willst: Ökonomie, Politik oder kreative Umverteilung.
Die Begriffe wechseln – das Prinzip bleibt.
Seppel:
Und die Unbedarften?
Kasperl (grinst):
Das bist du.
Du schadest höchstens dir selbst – und hältst das noch für Fairness.
Seppel:
Und intelligent darf ich nicht sein?
Kasperl:
Nein, den Platz habe ich schon besetzt.
Der Intelligente richtet weder bei sich noch bei anderen Schaden an – und hält sich möglichst aus Systemen heraus, die genau davon leben.
Seppel (nachdenklich):
Und wie nennt man das dann… wenn jemand sehenden Auges funktionierende Strukturen zerstört – sagen wir mal: Energieversorgung – und später sagt: „Ups, war vielleicht ein Fehler, ein großer Fehler, eigentlich ein existenzbedrohender Fehler“?
Kasperl:
Das ist weder dumm noch banditenhaft.
Seppel:
Sondern?
Kasperl:
Folgenlos.
Seppel:
Wie meinst du das?
Kasperl:
Wer solche Entscheidungen trifft, haftet nicht, tritt nicht zurück, erklärt nichts – und wird im Zweifel noch befördert.
Das System schützt seine Funktionäre besser als jede Versicherung.
Seppel:
Also… was ist das dann für ein Typ Mensch?
Kasperl:
Die klassische Negativauswahl: Menschen, die außerhalb der Politik scheitern würden – und innerhalb davon Karriere machen.
Seppel:
Unvermittelbar?
Kasperl:
Exakt. Nur eben nicht im politischen Betrieb.
Seppel (plötzlich begeistert):
Dann werde ich Politiker!
Kasperl:
Zu früh gefreut.
Seppel:
Warum?
Kasperl:
Dafür brauchst du zuerst genügend Dumme, die dich wählen.
Seppel:
Und wenn ich die finde?
Kasperl (trocken):
Dann bist du angekommen – andere wählen dich für ihre Interessen. Du handelst für deine eigenen. By proxy.
Nachklang
Vielleicht liegt die eigentliche Pointe nicht im Gesagten,
sondern im Mechanismus dahinter:
Handeln ohne Haftung.
Macht ohne Risiko.
Entscheidungen ohne persönliche Konsequenz.
Wer so agiert, handelt selten für sich selbst –
sondern immer stellvertretend.
Oder, präziser formuliert:
by proxy.
Disclaimer für den Blog
Hinweis zur Einordnung:
Dieser Beitrag ist eine satirische Zuspitzung in Dialogform.
Die Figuren „Seppel“ und „Kasperl“ stehen exemplarisch für Denkhaltungen, Wahrnehmungen und gesellschaftliche Spannungsfelder.
Die dargestellten Aussagen sind bewusst überzeichnet, vereinfachend und teilweise provokant formuliert. Sie dienen nicht der Beschreibung konkreter Personen oder Institutionen, sondern der Reflexion struktureller Muster in Politik, Wirtschaft und öffentlicher Wahrnehmung.
Satire verdichtet Wirklichkeit. Sie ersetzt keine Analyse – sie provoziert sie. Wer sich wiedererkennt, ist Teil der Betrachtung, nicht ihr Ziel.
Autor: Norbert W. Schätzlein
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