Einst war zur kalten Jahreszeit ein Mantel. Dessen Träger schlüpfte im Sturm der Begeisterung für seine Sache in Nämlichen. Etwas unachtsam schloss er den obersten Knopf falsch versetzt zum Schlitz auf der Gegenseite zu. Das fiel aber weder ihm noch dem umherstehenden Personenkreis gleich auf.

Der erste Knopf saß und mit ungebremstem Elan wurde weiter geknöpft. Das gab eine ganze Weile ein gutes, ja sogar ein sehr gutes Gefühl und entsprach einer unausgesprochenen Bestätigung für des Mantelträgers Handlung. – So konnte es ruhig weitergehen; alles passte zusammen.

Noch immer im Gespräch mit anderen Personen vertieft, konnte er sich sogar eine kurze Pause vergönnen und sich ganz auf das gesprochene Wort fokussieren.

Doch schon ging es weiter im Rausch des Flows beim Mantelknüpfen. Alles noch so schöne Tun hat aber einmal ein Ende. Und so blieb es nicht aus, dass unser Mantelträger seinen letzten Knopf schloss und das Malheur erkannte.

Erst begriff er nicht, wie das denn sein könne. – Ist vielleicht der Mantel defekt? – Vielleicht ein garstiger Fehlkauf, der jetzt plötzlich und völlig unpassend auffiel?

Aber nein, das konnte nicht sein. Unser Mantelträger besann sich einen kurzen Augenblick und gestand sich dann ein, dass hier etwas schieflief.

Doch wie jetzt reagieren unter all den Leuten deren Augen und Aufmerksamkeit er sich ausgesetzt sah? – Denen fiel jetzt auch an unserem Mantelträger etwas auf, was ganz und gar nicht stimmen konnte. Das Gesamtbild war aus den Fugen.

Unserem Mantelträger schossen zwei Gedanken nahezu zeitgleich in den Sinn: sich ärgerlich zeigen und nach Schuldigen Ausschau halten – vielleicht jemand, der ihn abgelenkt hat, oder vielleicht doch ob des skurrilen Bildes Humor zeigen und laut auflachen?

Unser Mantelträger fühlte die Blicke auf sich gerichtet und verlor die Contenance, was ein Fehler war, wie ihm sofort bewusst wurde. Schon stand den umherstehenden Personen die Schadenfreude ins Gesicht geschrieben. Da fasste sich unser Mantelträger in letzter Sekunde ein Herz und sprach zu den Umherstehenden: Was lernen wir nun daraus? Dabei machte er auf sein Example für Asymmetrie aufmerksam.

Fehler zu Beginn müssen nicht unbedingt auffallen. Eine ganze Weile geht alles gut und man wiegt sich in Sicherheit. Dann aber kommt das böse Erwachen. Der Schaden ist komplett und wir müssen uns eingestehen, dass im Neuanfang alle Hoffnung liegt. Dafür erntete unser Mantelträger dann zu guter Letzt ein Schulterklopfen seines nebenstehenden Nachbarn. Die Situation war gerettet und unser Mantelträger begann nochmals von vorne. – The Great Reset.

Was hat nun diese Geschichte mit unserer heutigen Zeit zu tun? Taugt sie überhaupt als Metapher?

Überlegen wir doch mal, wie alles Anfing. Und dabei müssen wir Jahrzehnte zurückgehen und uns darauf besinnen, wo eingefädelt wurde, Normen und Prämissen gesetzt, Gesetze erlassen und Paradigmen kommuniziert und verordnet wurden. Das geschah zwar nicht alles immer zur gleichen Zeit, aber stets aufeinander abgestimmt. Was lief also schief?

– Wir gaben uns ein Geld- und Währungssystem, das mit mathematischer Notwendigkeit nach zwei bis drei Generationen scheitern muss. Aber schon John Maynard Keynes entschied/navigierte auf Sicht und verschwendete bewusst auf zukünftige Generationen keine Gedanken.

– Unser Bildungssystem ist marode bis in die Knochen und züchtet bestenfalls Arbeitssklaven für einen Arbeitsmarkt, der seelenlose Kräfte (Roboter) sucht und dabei auf Menschen mit Gefühlen trifft. Schulen, wie der Autor sie kennenlernen durfte, sind Indoktrinierungsanstalten preußisch-sozialistischer Prägung im Kasernenformat.

– Wer sich der Mühe unterzieht das GG zu sichten, liest dort, dass alle Gewalt vom Volke ausgeht. Gelebt wird aber eine Form von Demokratie für Analphabeten, die im Vierjahresrhythmus ein Kreuzchen setzen und nicht darauf hoffen dürfen, dass sich Politiker an ihre Wahlversprechen halten.

– Die Wissenschaft und auch die Ökonomie setzt auf Axiome, Prämissen und Paradigmen, die unter einer Halbwertszeit absehbar obsolet werden, oder gar nie der Wahrheit entsprachen. Die Ökonomie basiert auf dem Prinzip der Knappheit und ignoriert und ist blind für die Fülle und Redundanz in der Natur.

– Medien engagieren sich mit ihren Ausstrahlungen für die systematische Volksverdummung.

Diese Auflistung der Fehlentwicklungen wäre endlos fortzuführen. Wir könnten über unser Gesundheits- oder vielmehr Krankheitssystem sprechen, die unaufgelösten Traumata der Menschen und der ganzen Gesellschaft, über die stets wuchernde Bürokratie usw. Eine never ending story. Wenn’s am Anfang nicht stimmt, verfehlen auch in der Folge noch so gut gemeinte Anstrengungen ihr Ziel.

Manchmal ist einfach alles falsch. Und wenn ich sage alles falsch, meine ich wirklich komplett alles (!) falsch. Alles (!) gehört auf dem Prüfstand. Nur dann wird daraus ein Great Reset Herr Schwab.

Aber wehe uns! Don’t kill the messenger! Was ist wohl so ziemlich das Schlimmste, was Sie Mitmenschen antun können? Es ist die Überbringung von Informationen, die das eigene Weltbild infrage stellen, es gar zum Einsturz bringen. Unser liebgewonnenes Weltbild zerstört zu sehen, ist ein veritabler Angriff auf unsere Identität, oder zumindest auf all das mit dem wir uns (nur) identifizieren. Die gute Nachricht aber lautet: die Krise, in die uns die erkannte Wahrheit wirft, birgt die Chance auf eine nie gekannte Selbstreife und Persönlichkeitsentwicklung, die zum ersten Mal vielleicht Sinn macht bzw. stiftet. Darum: keine Angst vor der Wahrheit; sie ist vielleicht mit das schönste Erlebnis unseres Lebens.

Ihr zeitfenster.com-Autor: Norbert W. Schätzlein, M. A. gewidmet (Danke!)

Bildquelle: © by Erik Liebermann und Norbert W. Schätzlein

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