Von offizieller Seite zur Sprache

Die Bundesregierung schreibt auf Ihrer Internet-Seite:

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/fakten-deutsche-sprache-1723168

von einigen Dingen, die uns vielleicht wenig bewusst zu unserer Muttersprache sind. Unter Punkt 5. steht hier zu lesen:

„Deutsch und die Wissenschaft: Deutsch ist die zweitwichtigste Sprache der Wissenschaft; mit seinem Beitrag zu Forschung und Entwicklung steht Deutschland an dritter Stelle in der Welt.“

Vor dem Ersten Weltkrieg sah das noch ganz anders aus. Damals war Deutsch die führende Wissenschaftssprache in der Welt.

Roswitha Reinbothe greift dieses (leider) in Vergessenheit geratene Thema auf und schreibt in ihrer Studie von 2019 „Deutsch als internationale Wissenschaftssprache und der Boykott nach dem Ersten Weltkrieg“:

„Nach dem Ersten Weltkrieg schlossen die alliierten Wissenschaftler die deutschen und österreichischen Wissenschaftler und mit ihnen die deutsche Sprache von internationalen wissenschaftlichen Vereinigungen, Kongressen und Publikationen aus, mit denen sie die Wissenschaften neu organisierten. Besonders betroffen waren die Akademien der Wissenschaften und Disziplinen, in denen die deutschen Wissenschaftler und die deutsche Sprache führend gewesen waren: Astronomie, Geodäsie, Geophysik, Geographie, Mathematik, Chemie und Medizin. Der Boykott wurde damit begründet, dass die deutschen Wissenschaftler die Kriegsschuld und die Kriegsverbrechen Deutschlands geleugnet und den deutschen Militarismus verherrlicht hatten.“

Auf den Hund gekommen (Synonym für Pleite sein)

The winner takes it all, dies gilt auch samt und sonders auch im Verhältnis zur Sprache. Die Adaption von Anglizismen in die deutsche Sprache hat sein Übriges dazu beigetragen, dass – je nach Bildungsniveau – die Kenntnis der Muttersprache gar nicht mehr nötig ist. Es reicht die Kenntnis der Lautmalerei und etwas Kraftmeierei: krass hey, geil, fettes Teil, cool, mega, super, guckst du, usw.

Wenn es stimmt, dass die Bandbreite und das Spektrum des Wortschatzes die Reichweite des Denkens bestimmt, dann wäre etwas Sorgfalt im Umgang mit der Sprache vielleicht gar nicht so unvernünftig. Dann wäre alles, was wir nicht denken können, außerhalb unserer Wahrnehmung und nach dem subjektiven Kriterium der Realität unmöglich. Demokratie funktioniert im Übrigen nur, wenn gewisse Sprachfähigkeiten und Bildung(sbereitschaft) zusammentreffen. Wo dies nicht der Fall ist, triftet Erkenntnisfähigkeit zur Realität soweit auseinander, dass von Willensbildungsprozess nicht gesprochen werden kann; bestenfalls von Konsumtion und unreflektierter Konditionierung nach Maßgabe eines seichten Medienangebots.

Kein Wunder, dass der eine oder andere dann nicht mehr weiß, ob er Männlein oder Weiblein ist. Doch dafür gibt’s ja jetzt immer mehr Abhilfe über die Zunahme der Genderisierung. „Gleiche Rechte und Möglichkeiten für alle Geschlechter“ wird von der Genderpolitik eingefordert. Und dagegen gibt es auch wirklich gar nichts einzuwenden. Dafür aber die Sprache in Geiselhaft zu nehmen, ist eine Anmaßung einer kleinen Personengruppe, die Toleranz einfordert und dabei selbst intolerant agiert. Tja, und was machen die Toleranten mit der Intoleranz der Intoleranten? Ein Großteil sitzt vor dem Fernseher und bleibt passiv und der Rest erkennt nicht die Falle eines verzerrten Verhältnisses von Minderheit zur Mehrheit.

Pluralistische Ignoranz nennt man das, wenn die Mehrheit den gewitzten Meinungsterror innerlich ablehnt, aber fälschlicherweise davon ausgeht, dass die Mehrheit dem Versuch der neuen Normsetzung zustimmt. „Jeder glaubt, dass alle anderen daran glauben, während in Wirklichkeit keiner daran glaubt.“ Das psychosoziale (Grund-)Bedürfnis der Menschen mit dazu gehören zu wollen, ist regelmäßig größer als die Bereitschaft gegen den Stachel zu löcken.

Nationalschatz Sprache

„Empörend ist es, die Deutsche Sprache zerfetzt, zerzaust und zerfleischt zu sehen, und oben drauf den triumphirenden Unverstand, der selbstgefällig sein Werk belächelt; – während man bedenken sollte, dass die Sprache ein von den Vorfahren überkommenes und den Nachkommen zu hinterlassendes Erbstück ist, welches man daher in Ehren halten und nicht muthwillig antasten soll. –

Wer ist denn dieses Zeitalter, daß es an der Sprache meistern und ändern dürfte? – was hat es hervorgebracht, solche Anmaaßung zu begründen?“

So sprach einst der Altmeister der Sprachreinheit, Arthur Schopenhauer. Man kann nur grob erahnen, wie er sich zum orwell’schen Neusprech in unseren Tagen geäußert hätte.

Und weiter:

„Die Sprache ist der einzige entschiedene Vorzug, den die Deutschen vor andern Nationen haben. Denn sie ist viel höherer Art, als die übrigen Europäischen Sprachen, welche, mit ihr verglichen, bloße patois sind.“ (Patois = Mundart, Sprechweise der Landbevölkerung [Frankreichs])

Das ist natürlich nach heutigen Maßstäben politisch völlig inkorrekt, oder? Aber, wie das Sprichwort schon sagt: Was juckt es eine (deutsche) Eiche, wenn ein Wildschwein an ihr reibt?

Schopenhauer setzt seine Hoffnung in zukünftige Generationen und trifft dabei uns im hier und jetzt an: „Schreibt schlechtes und unnützes Zeug so viel Ihr wollt: es wird mit euch zu Grabe getragen und schadet weiter nicht: aber die Sprache laßt unangetastet: sie ist das Eigenthum der Nation und das Werkzeug, dessen künftige wirklich denkende Geister sich zu bedienen haben: daher ihr es ihnen nicht verderben sollt.“

Und nun?!

Vom Altbundeskanzler Willy Brandt stammt der kluge Satz: „Wir wollen mehr Demokratie wagen. Das Gegenteil davon sehen wir heute. Damit kommt es entschieden in unseren Tagen darauf an sich einzumischen und den Diskurs, der verloren ging, (alternativlos!) zurückzufordern.

Autor: Norbert W. Schätzlein, Ostern 2021

Literatur:

Orwell, George: 1984 (Roman), Berlin: Ullstein Verlag, 1994

Schopenhauer, Arthur: Aber die Sprache lasst unbesudelt, Wider die Verhunzung des Deutschen, 2. Aufl., Waltrop/Leipzig: Manuscriptum Verlagsbuchhandlung, 2008

Reinbothe, Roswitha: Deutsch als internationale Wissenschaftssprache und der Boykott nach dem Ersten Weltkrieg, 2. Aufl., Berlin: Walter de Gruyter GmbH, 2019

Internet-Quellen:

https://www.die-tagespost.de/gesellschaft/feuilleton/Appell-gegen-die-Genderisierung-der-deutschen-Sprache;art310,196548

https://www.openpetition.de/petition/online/hoert-auf-zu-gendern

https://vds-ev.de/gegenwartsdeutsch/gendersprache/gendersprache-unterschriften/unterschriften/

Quelle für Hintergrundbild zu Konfuzius: Pixabay (von ChrisFiedler)

PS: Text zum Konfuzius-Zitat:

Wenn die Begriffe nicht stimmen,

dann ist das, was gesagt wird, nicht das Gemeinte.

Wenn das, was gesagt wird, nicht das Gemeinte ist,

dann sind auch die Taten nicht in Ordnung.

Wenn die Taten nicht in Ordnung sind,

dann verderben die Sitten.

Wenn die Sitten verderben,

dann wird die Justiz überfordert.

Wenn die Justiz überfordert wird,

dann weiß das Volk nicht, wohin es sich wenden soll.

Deshalb achte man darauf, dass die Begriffe stimmen.

Das ist das Wichtigste von allem.

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