Buchrezension zu Sebastian Haffners Tagebuch (1914-1933)

Endlich Urlaub. Endlich Zeit zum Lesen. Und wo macht man das in Corona-Zeit, zwangsweise? Zuhause; ganz genau.

Ein guter Freund hat mir schon vor einiger Zeit in einem Nebensatz ein Buch von Sebastian Haffner (1907-1999) empfohlen über die Zeit vor 1933. Das ist jetzt nicht unbedingt das Thema, das mir auf den Nägeln brennt, aber um bei einem der nächsten Treffen mit meinem Freund mitreden zu können, war mir die letzten Tage danach, einen Blick hineinzuwerfen.

Tja, kaum angefangen, begann auch schon die Zeitreise, die mich für die Dauer der Lesezeit in Bann hielt. Mit einem Quäntchen Empathie wird jeder ganz schnell zu Haffner und leidet mit dem Protagonisten.

Wie Ihr Euch denken könnt, geht es in diesem Art Tagebuch um das seinerzeitige totalitäre Regime, über das jeder vom Hörensagen eine gewisse Vorstellung hat. In meiner Schulzeit wurde diese Geschichtsphase immer ausgeblendet; wir erfuhren kaum etwas von dem wir uns ein Bild hätten machen können. Von meinen Großeltern konnte ich auch keine Informationen ziehen; sie starben als ich noch ein kleiner Junge war und meine Eltern waren selbst zu jung (geb. 1925 und 1930), um mir von 1933 zu erzählen.

Wer die Geschichte nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht sinnvoll gestalten, davon bin ich felsenfest überzeugt. Darum gilt es hinzuhören, wenn Menschen aus der Vergangenheit zu uns sprechen. Geschichte wird wieder lebendig, wenn wir auf den passenden Erzähler treffen und so ein Zeitzeuge ist eben Sebastian Haffner in seinem Buch Geschichte eines Deutschen, Die Erinnerungen 1914-1933.

Haffner beginnt sein Buch mit dem Zitat eines seiner Lieblingsautoren, Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahre 1808: „Deutschlanderes denkt/glaubt, muss unverbesserlich naiv sein.

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