In der C-Krisenzeit kann diese Frage kaum doppeldeutiger sein. Die Zentralbankbilanzen explodieren und werfen hunderte von Milliarden auf die Finanz- und Kapitalmärkte und manchem Selbständigen oder Kleinunternehmer geht gerade das Geld aus „dank“ den Corona-Restriktionen. Geld ist also da, aber nicht für jeden. Kapitalvermögen sind da, aber nur bei wenigen verbucht.

Lang, lang ist’s her

Ich möchte Euch eine kleine Geschichte erzählen, die sich vor circa 30 Jahren tatsächlich so abspielte. Im Kreis von Freunden bekam ich mit, dass eine reiche Witwe bei ihrem Tod rund 60 Mio. DM einer Stiftung vermachte. Die Kaufkraft dieses Vermögens entsprach mindestens dem gleichen Betrag in Euro; also schon ganz ordentlich viel.

Im Freundeskreis philosophierten wir darüber, was wir wohl mit so einem riesigen Vermögen tun würden. Und so in etwa verlief damals die Diskussion, ohne dass ich heute noch wüsste, wer im einzelnen dortmals was sagte:

Ich würde mir erst mal ein schickes Haus kaufen und ein Mercedes-Coupé.

Für mich bitte noch eine kleine Villa in der Toskana.

Ein Motorboot (wir wohnten dortmals alle entlang des Mains) wäre auch nicht schlecht.

Einer unter uns, der gerne kochte, schwärmte von einer großen, luxuriösen Küche als sechsstelliges Investment.

Wir schaukelten uns so immer weiter nach oben in den fiktiven Investitionen, kamen aber über einstellige Millionenbeträge nicht hinaus.

Irgendwann kam dann das Gespräch an einem Punkt, wo es moralisch wurde und jemand sagte: Mehr wie 5 Mio. braucht kein Mensch.*) Seltsamerweise kam niemand auf die Idee eine Megayacht erwerben zu wollen, die dann schon mal größere zweistellige Millionenbeträge verschlungen hätte. Auch wollte – aus heutiger Sicht – seltsamerweise keiner von uns ein Unternehmen kaufen. Unsere Sozialisation war halt dann doch eher ländlich-sittlich.

Mehr wie 10 Mio. konnte irgendwie keiner von uns imaginär ausgeben und somit blieben von dem obigen Betrag noch 50 Mio. übrig. Was also tun mit dem vielen restlichen Geld?

Die achtziger Jahre halt

Der Idealismus der Achtzigerjahre brachte uns dann auf die Idee von einer Begegnungsstätte zu sinnieren. Menschen sollten sich dort treffen können für kulturelle Begegnungen aller Art. Von Konzerten bis zu Lesungen und Vorträgen, von Theaterveranstaltungen bis zu Filmvorführungen; wir malten uns einen Ort aus, wo Langeweile ein Fremdwort sein sollte. Zum Zielbild gehörte bereits dortmals die Vorstellung, dass wir uns der Entdeckung von Wahrheiten verpflichten wollten; einer von uns war ein begeisterter Däniken-Leser und meinte, dass man der Welt die Augen öffnen müsse.

Und heute?

Würden heutige Generationen eine ähnliche Diskussion führen? Ganz gewiss wären die Wünsche andere, aber nicht alles von damals wäre gedanklich heute obsolet. Zwar gibt es heute YouTube und viele andere mediale Begleiter, die es erlauben zu recherchieren und nach Wahrheiten **) Ausschau zu halten. Das Angebot an teuren Autos, Yachten und schicken Villen rund um die Welt wäre auch vielfältiger. Aber in Zeiten der C-Krise bliebe vielleicht doch auch die Sehnsucht nach einer Begegnungsstätte, wo sich echte Menschen (zum Anfassen und Umarmen) treffen und miteinander ins Gespräch kommen. Ob sie dabei den Abstand einhielten, wollen wir an dieser Stelle nicht weiter erörtern, zumal es um das große Ganze geht.

Alte und neue Gedanken erblühen meist zu Silvester

Zum Jahreswechsel kam wieder die Erinnerung an jenen Geldsegen, den dortmals diese Organisation erhielt, deren Name nichts zur Sache tut. Was ist eigentlich mit diesem Geld passiert? Wie hörten von einem Neubau, der nach Kriterien der optischen Umweltverschmutzung volle Punktzahl erhielt und einige Millionen verschlang. Was aber mit dem meisten Geld passierte, blieb unklar. Zum Wohle der Menschen trug diese Fehlallokation eines Vermächtnisses definitiv nicht bei. Umso mehr aber stelle ich mir heute die Frage, ist eine Begegnungsstätte zeitgemäß? Und meine Antwort lautet entschieden JA. Mehr denn je braucht es Begegnungsstätten außerhalb kommunaler oder kommerzieller Interessen.

Thinktanks gibt’s wie Sand am Meer – echte Begegnungsstätten hingegen sind rar

Nichtregierungsorganisationen (NGO) sprossen die letzten Jahrzehnte wie Pilze aus dem Boden. Das sind die modernen Begegnungsstätten von heute; nicht aber für Dich lieber Leser und auch nicht für mich. Wenn wir in Zeiten der C-Krise von den Sponsoren der WHO hören, treffen wir auf Bill und Melinda und – wen wunderts – auf die Rockefeller-Foundation. Auch nehmen wir ein Wort wie Thinktank (Denkfabrik) in den Mund, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Dabei hat vermutlich keiner von uns je eine dieser Denkfabriken von innen gesehen und weiß, was die da tun. Wer begegnet sich hier und für wen denken die dort? Für dich lieber Leser? Oder für mich? – Ich für meinen Teil kann ganz gut selbst denken und benötige keine Vordenker.

Wenn aber millionen- und milliardenschwere Denkfabriken in unser aller Leben eingreifen, welches Korrektiv können wir dem gegenüberstellen? Wo trifft sich unsereins? Diese Fragen werden vermutlich derzeit unbeantwortet bleiben müssen. Es sei denn, ja es sei denn, wir nehmen die Dinge selbst in die Hand und entwickeln unsere eigenen Vorstellungen von einer lebenswerten Welt, in der wir nicht mehr die Getriebenen sind, sondern selbst die Akzente setzen. – Ist das für Euch vorstellbar? – Für mich längst.

2021 braucht Ziele, lohnenswerte Ziele, die den Menschen dienlich sind. Wegschauen und die Arme verschränken nach dem Motto, sollen doch die anderen, mich geht das alles nichts an, ist jetzt nicht wirklich so eine prickelnde Lösung. Wenn jeder in seinem Einflussbereich überlegt, welchen Beitrag er zu leisten vermag, wäre das ein guter Start.

Autor: Norbert W. Schätzlein, 3.1.2021

*) heute würde man wohl inflationsbereinigt von 10 Mio. € sprechen

**) der Aufwand für Recherchen im Netz und das Lesen von Literatur ist immens und dauert Jahre/Jahrzehnte um irgendwann mal vielleicht ein einigermaßen geschlossenes Weltbild zu erhalten

PS: und natürlich würde es in dieser Begegnungsstätte ein superschönes Café geben im Wiener-Kaffeehaus-Stil; ein alter Traum von mir …

PPS: Dr. Reiner Füllmich: „… es geht genau darum, letztlich um menschliches Zusammensein, um Menschlichkeit und nicht um maschinenmäßiges Abspulen irgendwelcher Programme.“ Min. 58:50 in: „Wie konnte es soweit kommen?“ https://www.youtube.com/watch?v=BlaxDa-NFgk

PPPS: vorstehendes PPS bezieht sich auch auf: Paul Schreyer: Pandemie-Planspiele – Vorbereitung einer neuen Ära? https://www.youtube.com/watch?v=SSnJhHOU_28

Bildquelle: Pixabay (von Gerd Altmann); vielen herzlichen Dank

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