Tischgespräch einer Kleinfamilie in Corona-Zeiten / Er: Handwerker; Sie: Personalreferentin; Es: ein Kind von 10 Jahren / Ort: Wohnung von 82 m² in München / Atmosphäre: seit einem Jahr gereizt

Es: Papa, was ist denn ein Lobbyist?

Er: Ein was?

Es: Ein Lobbyist. – Steht da in der Zeitung.

Er: Na ja, das ist jemand der Interessen vertritt.

Es: So wie du bei uns in der Wohnung, wenn Du Befehle gibst?

Er: Ich gebe doch keine Befehle hier. – Ich bring halt meine Interessen zum Ausdruck.

Es: Also doch ein Lobbyist.

Er: Mama, erklär Du es ihm.

Sie: Warum ich?

Er: Weil wir Emanzipation leben.

Sie: Und das bedeutet?

Er: Dass Du auch was sagen sollst – äh – wissen musst. – Ach, was weiß ich denn.

Sie: Eben, nichts.

Er: Jetzt mach aber halblang. – Dann schau halt im Computer nach. Wikipedia weiß doch sonst immer alles.

Sie: Ich mach jetzt den Computer nicht extra deswegen an. – Das ist doch einfach erklärt. – Ein Lobbyist, ist – äh – ein Mensch …

Er: So weit bin ich auch schon gekommen.

Sie: Unterbrich mich nicht. – Ein Lobbyist ist eine Person, die Interessen vertritt …

Er: Genial. Haben wir jetzt einen Papagei im Haus?

Sie: Und zwar die Interessen von anderen – und auch vermittelt.

Es: Und wer sind die anderen?

Sie: Die, die am meisten bezahlen.

Es: Für was bezahlen?

Sie: Na ja, ein Lobbyist bekommt Geld von Leuten, die bestimmte Interessen vertreten, die sie Politikern schmackhaft machen wollen.

Er: Damit diese …

Sie: Genau, das tun, was die Lobbyisten wollen, bzw. die Auftraggeber der Lobbyisten.

Er: Eigentlich sind das Handlanger aller möglichen Interessensgruppen.

Es: Vertreten die uns auch?

Sie: Nein, uns natürlich nicht. Wir haben zwar auch Interessen, aber für uns interessiert sich keiner. – (lacht) Wir hätten ja auch gar nicht das Geld dafür.

Es: Also ist ein Lobbist ein Mensch, der die Interessen von anderen vertritt, die Geld haben, damit die Politiker etwas machen, damit die Geldgeber noch mehr bekommen.

Er: Das klingt nicht übel. Das ist zwar keine exakte Definition, aber irgendwie ist was dran.

Sie: Lobbyisten sind die Vordenker der Politiker. – Sie schreiben ihnen auch die Gesetzesvorlagen und setzen darauf, dass sich die Dinge in ihre Richtung, also zu Gunsten ihrer Interessen, verändern.

Er: Der Teufel scheißt immer auf den gleichen oder größten Haufen.

Sie: Nicht doch! Nicht vor dem Kind – solche Ausdrücke.

Er: Steht aber in der Bibel.

Es: In der Bibel? – Wirklich?

Sie: Nein Kind, das kann gar nicht sein.

Er: Danach ist aber so ein Effekt benannt.

Sie: Nach wem?

Er: Nach dem Apostel Matthäus und der Aussage mit „wer hat, dem wird gegeben“.

Sie: Du mit Deinem Matthäus-Effekt; so ein Blödsinn:

Er: Nicht vor dem Kind bitte.

Es: Mama, Papa, ist ein Lobbyist nun ein Beruf? Kann ich das auch werden? Und bekommen wir dann eine größere Wohnung, wenn ich mal Lobbyist bin?

Sie: Ein Lobbyist verdient bestimmt viel Geld. Er muss aber tun, was andere von ihm wollen und diese auch würdig repräsentieren.

Er: Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich sing.

Es: Ich kann gut singen.

Sie: Papa wieder – das hast Du nur missverstanden von ihm. Du musst halt jemand kennen, der etwas von der Politik will und dann vermittelst Du die Interessen und …

Es: … bekomme ein Haufen Geld dafür.

Sie: So ungefähr.

Es: Dann müssen alle das tun, was ich will.

Er: Das nennt man dann Demokratie.

Sie: Nein, Lobbyismus.

Es: Ich weiß jetzt, was ich mal werden will: viel Geld verdienen, anderen sagen, was sie zu tun haben und dabei cool wirken. – Das krieg ich hin. – Und wenn’s gut läuft vermittle ich meiner künftigen Frau einen Job als Kanzlerin.

Er: Tja, da sieht man mal wieder: der Verdienst ist meist umgekehrt proportional zur Bedeutung für die Gesellschaft.

Sie und Es (gleichzeitig): Was???

Er: Ach vergesst’s – war nur so ein Gedanke.

Autor: Norbert W. Schätzlein … reicht‘s … drum endet dieser Blog in 225 Tage 6 Stunden 14 Minuten 58 Sekunden

Quelle: Pixabay (von Gerd Altmann)

Quelle: Pixabay (von heblo)

(Bilder übereinandergelegt)

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