Hier vorab einige mögliche Kandidaten:

A: Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin

B: Angela Merkel, Bundeskanzlerin

C: Annalena Baerbock, Bundesvorsitzende der Grünen

D: Armin Laschet, Bundesvorsitzender der CDU

E: Jens Stoltenberg, NATO-Generalsekretär

F: Claus Kleber, Nachrichtensprecher

G: Steffen Seibert, Sprecher der deutschen Bundesregierung

H: Richard David Precht, (vielleicht der populärste) dt. Philosoph

I: Peter Sloerdijk, (vielleicht der wichtigste) dt. Philosoph

J: Erich Fromm, Philosoph und Sozialpsychologe

Die Lösung finden Sie weiter unten. Raten Sie aber vorher erst einmal und stellen Sie sich die Frage, wer könnte so viel Klarsicht und Demokratieverständnis in diesen weisen Worten an den Tag legen?

„Es gibt eine politische Aktivität – sagen wir mal – des parteilosen Menschen, die glaube ich außerordentlich wichtig ist.

Die besteht zunächst einmal darin, klar zu sehen.

Wenn jeder Mensch klarsähe, was vorgeht, dann sähe die Welt anders aus als sie ist; ganz anders.

Speziell auch in den Demokratien, aber sogar in den diktatorischen Staaten, die auch nicht gegen die Meinung der Gesamtbevölkerung regieren könnten.

Hier ist das Erste:

Die meisten Menschen sehen nicht klar, geben sich Illusionen hin und sehen nicht kritisch. (…) Man kann nicht trennen, das Wissen von sich und das Wissen von der Gesellschaft. Das gehört zusammen. (…)

Man kann nicht völlige Einsicht über sich haben, aber blind sein soweit es die gesellschaftlichen Vorgänge angeht. (…)

Die Wahrheit ist untrennbar. Man kann nicht hier die Realität sehen und hier blind sein.

Das macht das Messer stumpf; d.h., die Suche nach der Wahrheit ineffektiv. (…) Man kann sich nur selbst und andere richtig sehen, wenn man sie in ihrer gesellschaftlichen Bedingtheit sieht, d.h., wenn man kritisch gegenübersteht, dem was in der Welt sonst vor sich geht.

Es ist auch ein Gebot der Liebe. Und wenn man den Menschen liebt, dann kann man nicht die Erkenntnis und die Liebe nur auf das Individuelle erstrecken. Das muss zu Fehlern führen.

Dann muss man ein politischer Mensch sein; ein politisch leidenschaftlich interessierter Mensch sein, in der Weise, wie das dem eigenen Temperament, dem eigenen Beruf, den eigenen Fähigkeiten am meisten entspricht.

Und ich möchte noch etwas sagen, was dazu gehört. Ich glaube für den Intellektuellen gibt es in erster Linie, in zweiter Linie und in dritter Linie nur eine Aufgabe und das ist die Wahrheit zu suchen; so gut er es kann und sie zu sagen.

Der Intellektuelle ist nicht in erster Linie dazu berufen, es ist nicht in erster Linie seine Funktion politische Programme zu entwerfen.

Das schränkt nicht das ein, was ich vorher gesagt habe.

Er hat die Funktion und das zeichnet ihn aus oder sollte ihn auszeichnen, die die spezielle Funktion des Intellektuellen, des Forschers, des Menschen der hauptberuflich mit Denken beschäftigt ist, eines kompromisslosen Verfolgens der Wahrheit ohne Rücksicht auf eigene oder andere Interessen.

Und wenn die Intellektuellen im Dienste eines Parteiprogramms und im Dienste politischer Ziele – möchten sie auch noch so gut sein – einschränken ihre Funktion, die volle Wahrheit zu suchen und zu sagen, dann versündigen sie sich an ihrer eigensten Aufgabe und letzten Endes an der wichtigsten politischen Aufgabe, die sie haben. Ich glaube allerdings, dass der politische Fortschritt davon abhängt wie viel wir von der Wahrheit wissen, wie klar und kühn wir sie sagen und wie viel davon die Menschen beeindruckt.“

Für dieses Zitat kommt jemand infrage, dem die Menschen am Herzen liegen.

Das Zitat rüttelt am Demokratieverständnis, wonach es nicht ausreicht, passiv die Dinge über sich ergehen zu lassen. Gefordert wird hier eine aktive Rolle und den Willen zur Mitgestaltung einer lebenswerten Zukunft.

Wer hat es nun gesagt?

Und der Winner ist unter J:

Erich Fromm, 1900-1980

Sein Statement für Demokratie und Freiheit ist knapp 50 Jahre alt und so zeitgemäß wie eh und je; vielleicht heute noch etwas wichtiger als damals.

Es lohnt sich mit Erich Fromm Bekanntschaft zu schließen in seinen exzellenten Büchern und in zahlreichen Interviews und Vorträgen auf YouTube.

Danke an alle, die in den letzten 12 Monaten die vielen Videos eingestellt haben.

Meinen Beitrag zur Orientierung an Werten a) interpersonal, b) organisational und c) gesellschaftlich finden Sie in meinem neuen Buch Kompass der Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung. Für Entscheider und all jene die Denkwerkezeuge zu schätzen wissen, ein must-have. Denn, alles, was wir verstehen macht uns souverän.

Das Buch kann über alle Buchhandlungen bezogen werden.

Blog-Autor: Norbert W. Schätzlein, 11.06.2021

Bildquelle (Kopf mit Fragezeichen): Pixabay (von Gerd Altmann)

Erich Fromm: Im Namen des Lebens

Interview zur Biographie mit Hans Jürgen Schultz

Produktion: SWR

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie unsere Arbeit und Recherchen.

Zahlungsmethode auswählen
Persönliche Informationen

Überweisung
Gib in der Verwendungszeile bitte an, dass die Spende für „Zeitfenster“ ausgestellt ist.

Bank: Volksbank Altshausen eG
Empfänger: SIRIS® Systeme GmbH & Co. KG, Zeitfenster.com
IBAN: DE09 6509 2200 0014 0460 08
BIC: GENODES 1 VAH

Alle Zuwendungen werden dankbar entgegengenommen und sind steuerlich abzugsfähig.

Spendensumme: 10.00€